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Chargenrückverfolgung: die vier Stellen, an denen die Kette reisst

Ronny Thöni Von Ronny Thöni, Logistikwerk

«Wo ist Charge 4471 hingegangen?»

Diese Frage kommt nie an einem ruhigen Freitagnachmittag. Sie kommt am Dienstag um zehn, von einem Kunden, der schon weiss, dass etwas nicht stimmt.

Was dann in vielen Betrieben passiert, läuft immer gleich ab. Jemand geht ins ERP und findet den Fertigungsauftrag. Er findet nicht, welche Wareneingangscharge darin verbaut ist, weil die handschriftlich auf einem Lieferschein steht. Er ruft im Lager an. Das Lager sucht den Ordner. Zwei Stunden später weiss man ungefähr Bescheid.

Ungefähr reicht für ein internes Gespräch. Für einen Abnehmer aus der Automobilindustrie reicht es nicht.

Das ERP ist selten schuld

Das ist der Befund, der sich in fast jedem Betrieb wiederholt: Das System kann Rückverfolgung. Es hat Chargenfelder, Seriennummernverwaltung, Verwendungsnachweise. Die Kette reisst nicht im System, sondern an den Übergängen dorthin und wieder heraus.

Es sind vier Stellen, und sie sind erstaunlich ähnlich, egal ob Metallverarbeitung, Kunststoff oder Papier.

1. Der Wareneingang

Die Lieferantencharge steht auf dem Lieferschein. Handschriftlich, gestempelt, oder als Aufkleber. Erfasst wird im System die eigene Wareneingangsnummer, weil das schnell geht und weil das Feld für die Lieferantencharge im Standardbild nicht sichtbar ist.

Damit ist die Verbindung zum Lieferanten schon auf dem ersten Meter unterbrochen. Sie existiert nur noch auf Papier, in einem Ordner, sortiert nach Datum und nicht nach Charge.

2. Der Fertigungsauftrag

Welche Charge in welchem Los verbaut wurde, entscheidet sich am Regal. Der Mitarbeitende nimmt, was vorne steht. Rückgemeldet wird die Menge, nicht die Charge, weil die Rückmeldung sonst dreimal so lange dauert.

Die Zuordnung entsteht trotzdem, aber sie entsteht in einer Excel-Datei auf einem Laufwerk, gepflegt von einer Person, die weiss, warum das nötig ist.

3. Der Versand

Die Seriennummern der ausgelieferten Teile liegen im Versandprogramm, das mit dem ERP nicht spricht. Oder sie stehen auf dem Packzettel, den man beim Kunden hätte, aber nicht im eigenen Haus.

Diese Stelle ist die schlimmste, weil sie die Vorwärtsrichtung betrifft. Rückwärts von einem Teil zur Charge kommt man mit Geduld. Vorwärts von einer Charge zu allen belieferten Kunden kommt man nur, wenn die Verbindung sauber ist. Und genau diese Richtung braucht man im Ernstfall.

4. Der Mensch

Drei Personen kennen zusammen die ganze Kette: einer im Wareneingang, eine in der Arbeitsvorbereitung, einer im Versand. Sie sind nie zusammen im Haus, niemand hat je aufgeschrieben, was sie wissen, und alle drei halten ihren Teil für selbstverständlich.

Solange sie da sind, funktioniert die Rückverfolgung. Sie funktioniert nur nicht als System, sondern als Gefallen.

Die Frage ist nicht, was erlaubt ist

Es gibt keine allgemeingültige Zahl dafür, wie lange eine Rückverfolgung dauern darf. Was gilt, steht in Ihrer eigenen Rückverfolgbarkeitsplanung und in dem, was Ihre Abnehmer von Ihnen verlangen. Beides ist von Kunde zu Kunde verschieden.

Die interessantere Frage ist deshalb eine andere: Hat je jemand gemessen, wie lange es bei Ihnen tatsächlich dauert?

In den meisten Betrieben lautet die Antwort: noch nie. Man hat es einmal geübt, vor Jahren, mit einem Fall, den man vorher ausgesucht hat. Das ist eine Vorführung und keine Messung.

Wie man es misst

Der Ablauf ist einfach genug, dass Sie ihn selbst machen können, und wir machen ihn an einem Tag mit Ihnen.

Sie wählen drei fertige Teile oder Sendungen aus dem letzten Jahr aus. Nicht vorbereitet, nicht abgesprochen. Dann verfolgen Sie sie zurück bis zur Rohmaterialcharge und zum Lieferanten, mit der Stoppuhr, und Sie schreiben jeden Systemwechsel auf. Danach die andere Richtung: eine Rohmaterialcharge vorwärts zu allen Kunden, die etwas daraus bekommen haben.

Am Ende haben Sie vier Zahlen: die Zeit je Richtung, die Anzahl Systeme, die Anzahl Medienbrüche, und die Anzahl Stellen, an denen jemand aus dem Gedächtnis ergänzen musste.

Die vierte Zahl ist die wichtigste. Sie sagt Ihnen, wie viel Ihrer Rückverfolgbarkeit an einzelnen Personen hängt.

Was danach zu tun ist, ist meistens klein

Das Erstaunliche an diesem Test ist, wie günstig die Verbesserungen sind, wenn man erst einmal weiss, wo es klemmt. Ein Feld im Wareneingangsbild sichtbar machen. Ein Etikett mit Scancode statt Handschrift. Eine Excel-Datei durch eine Tabelle im System ersetzen, die dieselben zwei Spalten hat.

Keine dieser Massnahmen ist ein Projekt. Sie fallen nur niemandem auf, solange die Kette an dem Tag, an dem man hinschaut, gerade hält.


Wollen Sie die Zahl kennen, bevor jemand anders danach fragt? Unsere Chargenrückverfolgung misst es an einem Tag, an Ihren echten Nummern.

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